Die Diskussion um die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung des 1. FC Nürnberg in eine Kapitalgesellschaft wirft für viele die Frage auf: Was ist überhaupt eine Kapitalgesellschaft, wie soll sie aussehen und vor allem was würde sich für die Mitglieder ändern? Grundsätzlich gibt es drei Modelle, die denkbar wären: eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), eine Aktiengesellschaft (AG) oder eine GmbH in Kombination mit einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (GmbH & Co. KGaA). Letztere ist aktuell auch am Valznerweiher favorisiert. Grund genug sie im Folgenden genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien, oder kurz KGaA, ist eine Rechtsform für Unternehmen und auch selbst eine rechtsfähige juristische Person. Sie vereint Elemente von Aktiengesellschaft (AG) und Kommanditgesellschaft (KG). Bei der KGaA handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, die an Stelle eines Vorstandes über persönlich haftende Gesellschafter (Komplementäre) verfügt. Die Anteile der teilhaftenden Kommanditisten sind wiederum in Aktien zerlegt. An der KGaA sind zwei verschiedene Gesellschaftertypen beteiligt:

•    Die persönlich haftenden Gesellschafter (phG oder Komplementäre) sind geschäftsführungs- und vertretungsbefugt. Im Falle der GmbH haftet diese mit dem Gesellschaftsvermögen, maximal mit der Einlage (25.000,00 Mindestkapital) der Gesellschafter in die GmbH. Die Komplementäre besitzen eine stärkere Stellung als der Vorstand in der AG: Ihre Zustimmung ist grundsätzlich bei allen außergewöhnlichen Geschäftsführungsmaßnahmen und Grundlagengeschäften erforderlich. Das Heißt: Gegen den Willen der persönlich haftenden Gesellschafter können keine Maßnahmen durchgeführt werden.

•    Die Kommanditaktionäre verfügen über dieselben mitgliedschaftlichen Rechte wie die Aktionäre einer AG. Sie bringen das in Aktien zerlegte Grundkapital der KGaA auf, haften aber darüber hinaus nicht für Forderungen gegen die Gesellschaft. Der Mindest-Nennbetrag beträgt 50.000,00 Euro und ist bei Gründung als Kommanditkapital / Grundkapital erforderlich. Die Kommanditaktionäre haben zum Teil weitergehende Befugnisse (z.B. die Beschlussfassung des Jahresabschlusses, Zustimmung zu außergewöhnlichen Geschäftsführungsmaßnahmen), zum Teil aber auch geringeren Einfluss als die Aktionäre in der AG: Ihnen fehlt die mittelbare Personalkompetenz für die Geschäftsleitung, da der Aufsichtsrat die Komplementäre weder bestellen noch abberufen kann.

GmbH Co KG

Die GmbH & Co. KGaA wollen wir anhand von drei Beispielen aus dem deutschen Profi-Fußball darstellen:

a)    1. FC Köln

Die oben gezeigte Struktur findet sich derzeit beim 1 FC Köln. Der FC ist sowohl einziger Besitzer der GmbH (Komplementär), als auch einziger Aktionär (Kommanditist). Die Aufsichtsräte der GmbH sind die gewählten Vorstände des Vereins.

Köln

Der 1. FC Köln ist alleiniger Gesellschafter, die Gesellschaftsvertreter werden auf der JHV direkt von den Vereinsmitgliedern gewählt (analog zu den AR Wahlen beim FCN).

Die Aufsichtsräte, die zusätzlich die AG kontrollieren, werden ebenfalls vom 1. FC Köln bestimmt. Damit haben die Mitglieder hier zwar eingeschränkte Rechte, durch die direkte Wahl des Vorstandes und damit der Vertreter des Vereins in der GmbH jedoch noch weitestgehende Kontrolle.

b)    TSV 1860 München

Auch der TSV 1860 München ist eine GmbH & Co KGaA. Der Verein besitzt die GmbH.

Allerdings hat er in der AG bereits die Mehrheit verloren. Zum einen hält der Investor Hassan Ismaik dort den Vorsitz (und gleichviele Stimmen wie der Verein, d.h. der Vorsitzende entscheidet). Zum anderen hält er 49% der sogenannten stimmberechtigten Stammaktien und 11% Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Wenn der Verein es aber nicht schafft, bis Frühjahr 2017 Dividende zu bezahlen, so bekommen nach dem deutschen Aktienrecht diese Vorzugsaktien auch Stimmrechte. Es wird interessant zu sehen, wie die Löwen und die DFL das lösen.

Am Beispiel des TSV 1860 sieht man, was passieren kann. Der Verein ist finanziell absolut abhängig von den Mitteln, die er von der AG bekommt. Dort hat der Investor „das Sagen“ und damit kann der Verein nichts mehr gegen dessen Willen beschließen, wenn er nicht möchte, dass ihm das Geld abgedreht wird.

Die 50+1-Regel des Verbandes ist ausgehebelt und 1860 ist nahezu voll abhängig von Hasan Ismaik.

c)    BVB 09 Borussia Dortmund

Das bekannteste Beispiel einer GmbH & Co. KGaA aus dem Fußball ist Borussia Dortmund. Hier sind vor allem private Aktionäre aufgenommen, die aber keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft haben.

Dortmund 1

Die Rechte und Pflichten des von den Aktionären auf der Hauptversammlung gewählten Aufsichtsrates der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA sind eingeschränkt. Ihm fehlt insbesondere die Personalkompetenz, d.h. die Zuständigkeit zur Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern bei der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH sowie zur Regelung ihrer vertraglichen Bedingungen. Der Aufsichtsrat ist auch nicht berechtigt, für die persönlich haftende Gesellschafterin (die Borussia Dortmund Geschäftsführung GmbH) eine Geschäftsordnung oder einen Katalog zustimmungspflichtiger Geschäfte zu erlassen. Derartige Rechte und Pflichten obliegen vielmehr den Gremien bei der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH, namentlich dem dort eingerichteten Beirat und dem von ihm wiederum gebildeten Präsidialausschuss.

Der Beirat ist allerdings NICHT von der JHV gewählt, er besteht aus zwei vom e.V. gewählten Aufsichtsräten und zwei Mitgliedern des Wirtschaftsrates des Vereins. Die Mitglieder des Wirtschaftsrates werden vom Vorstand alleine bestimmt.  Damit sind die Mitbestimmungsrechte des Vereins durchaus reduziert, da Gesellschaftsvertreter der GmbH anders als in Köln nicht vom Verein gewählt werden.

Dortmund 2

Würde man diese Modelle auf den 1. FC Nürnberg übertragen, würden die Aufsichtsräte der GmbH jeweils weiterhin für drei Jahre gewählt, und 1/3 aller AR jährlich ausgetauscht. Wir denken jedoch, dass zuerst der Wahlmodus des Vereins nachgebessert werden sollte, bevor man über gesellschaftsrechtliche Veränderungen nachdenkt.