Blicken wir heute ein Jahr zurück, haben nach dem wunderbaren Aufstieg wohl viele Glubbfans damit gerechnet, dass mit Ende der Saison 2018/19 der Glubb wieder den Gang zurück in die 2. Bundesliga antreten muss.

Mehr überrascht, als beim 1.FC Nürnberg, waren wir jedoch, dass es mit Hannover 96 und nun über die Relegation auch noch mit dem VfB Stuttgart, zwei Mannschaften erwischte, die nicht unbedingt jeder auf dem Zettel hatte.

Während Land auf Land ab viele „Experten“ uns nur geringe Außenseiterchancen auf den Verbleib in Liga 1 zurechneten, sah im Sommer 2017, sprich ein Jahr davor, die Situation beim VfB Stuttgart komplett anders aus. Der "Betriebsunfall", wie der Abstieg 2016, genannt wurde, galt als korrigiert. Die Gründe dafür lagen offensichtlich auf der Hand. So hatte die Mannschaft Potential bewiesen, indem sie den Aufstieg in die 1. Bundesliga schaffte. Zudem schien den Verantwortlichen noch der ganz große Coup gelungen zu sein. Der Weltkonzern Daimler, vor der Haustür beheimatet, konnte als Anteilseigner gewonnen werden und ließ finanziell  die Muskeln spielen. Für satte 41,5 Millionen Euro erwarb der Automobilkonzern 11,75 Prozent der Anteile an der neu gegründeten VfB Stuttgart AG. Natürlich öffneten sich hierdurch für den Aufsteiger Spielräume auf dem Transfermarkt, welche an die fast schon etwas vergessenen Tagen erinnerten, als der VfB noch in der Champions League spielte.

Der Plan schien aufzugehen, zumindest zunächst. Während wir in Nürnberg uns letztes Jahr über die Rückkehr ins Fußballoberhaus freuen durften, so gelang dem VfB fast der Sprung nach Europa. Der Aufsteiger schaffte es auf den 7. Tabellenplatz.

Weiter vorwärts, weiter voran sollte es in den Vorstellungen der Verantwortlichen mit dem VfB gehen. Finanzielle Mittel waren, ebenso wie fußballerisches Talent ja augenscheinlich vorhanden. Satte 60 Millionen Euro konnten nun für die jetzt abgeschlossene Saison 2018/19 für die Bundesligamannschaft zur Verfügung gestellt werden, während zum Vergleich der 1.FC Nürnberg die "Mission Impossible" Klassenerhalt mit rund 25 Millionen Euro versuchte anzugehen.

Soweit das Potential finanziell zu Beginn der Saison auch auseinanderklaffte, umso knapper schlug es sich auf die Tabelle in dieser Saison aus. Bis zum 32. Spieltag trennten den 1.FC Nürnberg und den VfB Stuttgart lediglich vier Punkte. Wobei der Glubb bekanntlich sehr viel liegen ließ. So auch am 28. Spieltag als der FCN eines der ersten "Endspiele" um den Klassenerhalt beim VfB Stuttgart bestritt. Bekanntlich endete die Partie 1:1, relativ unglücklich für den Glubb. Vermutlich noch nachhaltiger als das Ergebnis bleibt aber das Spruchband aus der Cannstatter Kurve an diesem Tag im Gedächtnis hängen: „FCN-Mitglieder: So weit haben uns Ausgliederung und Rekordinvestitionen gebracht!"

Ein denkwürdiger Appell an uns: Bedenken wir, dass der VfB nächstes Jahr ebenso wie wir in der 2. Liga antritt. Während der Glubb zwar sportlich nicht in der 1. Liga mithalten konnte, hat der VfB mit der Ausgliederung einen Preis bezahlt, der in keiner Relation zum kurzfristigen sportlichen Erfolg in der Vorsaison steht.

Während wir erhobenen Hauptes zurück in die 2. Liga gehen, sieht es in Stuttgart anders aus. Der VfB hat mit Wolfgang Dietrich eine Person an der Spitze des e.V. respektive der Spitze des AG-Aufsichtsrates, die kaum noch zu halten ist. Der VfB wirkt durch die Ausgliederung zerstritten. Nur wofür? Am Ende für gar nichts, außer ein Stück verlorener Identität.