Es hat ein wenig gedauert, aber heute können wir allen interessierten Personen die Zahlen unserer Mitgliederbefragung auf der Jahreshauptversammlung des 1.FC Nürnberg 2017 vorlegen. Bevor wir einzelne Zahlen kommentieren, noch einmal ein großes „Dankeschön“ an die Mitglieder. Die Rücklaufzahlen auf den Umfrageflyer haben unsere Erwartungen komplett übertroffen. Das zeigt ganz vorweg, wie sehr das Thema „Ausgliederung“ mit all seinen Fragen die Mitglieder bewegt.

Die vollständigen Fragen des Flyers findet ihr noch einmal hier.

Änderung der Rechtsform bzw. Ausgliederung der Abteilung Profi-Fussball

ProContraAusgliederung

(42,9% lehnen eine Ausgliederung ab / 1,3% ist es egal / 55,8% befürworten eine Ausgliederung)

Die erste Frage war sozusagen schon gleich die „Gretchenfrage“: Ausgliederung ja oder nein? Offensichtlich herrscht darüber große Uneinigkeit. Wir interpretieren die Zahlen mit Vorsicht. Für eine Ausgliederung braucht der Verein eine 75 Prozent-Mehrheit. Unsere Umfrage legt allerdings die Vermutung nahe, dass einige „Ausgliederungsbefürworter“ sich bedeckt hielten bzw. nicht teilgenommen haben. Dazu kommt, dass auf der JHV 2017 nur rund 900 Mitglieder waren. Das ist etwas unterdurchschnittlich – in den Jahren zuvor pendelte die Zahl rund um 1.200 Mitglieder.

Repräsentanten vom 1.FC Nürnberg waren interessanterweise auf der entscheidenden JHV in Stuttgart zu Gast. Dort hat der VfB Stuttgart alle Register gezogen, um möglichst viele Mitglieder zur Versammlung zu bekommen und als „kleines“ Präsent jedem Mitglied ein Trikot geschenkt. Die Ausgliederungsgegner konnten sich in Stuttgart nicht durchsetzen, weil im Vergleich zu den Jahren davor plötzlich so viel mehr Leute zur JHV kamen. Wir hoffen inständig, dass der 1.FC Nürnberg nicht zu solch manipulativen Mitteln greift.

In der Kommentarspalte wurde seitens der Ausgliederungsbefürworter immer wieder der Wunsch nach sportlichem Erfolg genannt. Es darf aus unserer Sicht daran gezweifelt werden, ob uns die anvisierten 20 Millionen Euro diesen Erfolg (= Aufstieg) bringen. Mehr noch, zuletzt wurde seitens des Vereins auch öfter erwähnt, dass ein Teil des Investments zur Schuldentilgung hergenommen werden könnte. Ob hierbei ein Investor mitmacht, ist sehr fraglich. Insgesamt diagnostizieren wir weiter einen großen Aufklärungsbedarf hinsichtlich des Themas.

Falls die Ausgliederung kommt – entscheiden die Mitglieder oder der Verein über die Annahme bzw. Ablehnung eines Investors?

MV AR Entscheidung

(76,3% pro Entscheidung durch die Mitglieder / 23,7% überlassen die Entscheidung dem Aufsichtsrat)

In dieser Frage herrscht weitgehend Einigkeit. Die Mitglieder wollen selbst bestimmen, ob sie diesen oder jenen Investor akzeptieren. Hier wird es spannend, wenn den Mitgliedern voraussichtlich im nächsten Jahr der Ausgliederungsplan vorgelegt wird. Bleibt der weiterhin bestehende e.V. mit seinen Mitgliedern der Souverän, oder werden Mitgliederrechte an den Aufsichtsrat abgetreten. Wir empfehlen jedenfalls allen Mitgliedern einen sehr genauen Blick bezüglich dieser spannenden Frage. Unserer Meinung nach muss die Versammlung der Mitglieder (falls man einer Ausgliederung überhaupt offen oder positiv gegenübersteht) in diesem Punkt in jedem Fall die finale Entscheidung treffen. Alles andere käme einem massiven Verlust von Mitgliederrechten gleich.

Bei den Kommentaren wird immer wieder die Mitgliederversammlung als höchstes Organ des Vereins genannt. Mit der „50+1“-Regelung muss zwangsläufig der Verein auch die Stimmenmehrheit in einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft haben. Letztendlich nur konsequent, wenn die Mitglieder dann bei solch wesentlichen Fragen (Annahme des Investors?) mitbestimmen. Vereinzelt ist auch eine Unterteilung – je nachdem, wie viele Prozente der Investor erwerben will – genannt worden. Bis zum Anteilsverkauf von zum Beispiel 8 Prozent könnte dann der Aufsichtsrat entscheiden – bei mehr als 8 Prozent müssen die Mitglieder des Stammvereins zustimmen. Solche Überlegungen halten wir für nicht zielführend und die uns vorliegenden Zahlen bestätigen das. Am Ende könnte der Aufsichtsrat hier den Fussball in kleineren Häppchen verkaufen, ohne auch nur einmal die Mitglieder um ihre Meinung hinsichtlich der verschiedenen Investoren zu fragen.

Erhalt der „50+1“-Regel – welche sicher stellt, dass der e.V. an einer ausgegliederten Profi-Abteilung die Stimm-Mehrheit hat.

Erhalt501

 

(88,3% für den Erhalt der Regel / 11,7% gegen die Regel)

In diesem Punkt ist die Einigkeit der Mitglieder noch größer. Diese Regel ist beinahe unumstritten wichtig für den Erhalt des Fussballs als Mitglieder- und Volkssport. Die Diskussionen über die rechtliche Haltbarkeit der Regel und die Unterwanderung auf verschiedene Art und Weise (siehe Hannover oder Red Bull Leipzig) können wir aufgrund ihrer Komplexität an dieser Stelle nicht führen. Die Mitglieder des 1.FC Nürnberg bekennen sich jedenfalls in überwältigender Mehrheit für den Erhalt.

In den Kommentaren haben vor allem die knappen 12 Prozent ihre Meinung geäußert. Selbst hier dominierten die Fragen danach, ob die Regel vor einem Europäischen Gericht überhaupt bestehen könnte. Und verschieben sich durch weitergehende Aufweichungen nicht die Wettbewerbsverhältnisse? Trotz „Lex-Wolfsburg“ bzw. „Lex-Bayer 04“ und einer möglichen Mehrheitsübernahme von Kind in Hannover – die Mehrheit der Vereine akzeptiert die „50+1“-Regel. Bleiben wir ehrlich: Ohne diese Regel wird aus dem noch vorhandenem Fußball-Wettstreit noch mehr ein Wettstreit des Kapitals. Natürlich hat das Kapital schon heute großen Einfluss auf den sportlichen Erfolg, aber deswegen sollte man noch nicht den Kopf in den sprichwörtlichen Sand stecken. Wenn alle Regeln gefallen sind, ist es nämlich nicht mehr weit bis hin zu einem „Verein“, der beispielsweise den Namen „Immowelt Nürnberg“ tragen könnte.

Unterstützen die Mitglieder die Fanproteste gegen den DFB bzw. die DFL?

DFB Proteste

(79,9% unterstützen die Proteste / 0,3% kennen die Proteste nicht / 19,8% lehnen die Proteste ab)

Dem Kern nach hat die Frage nichts mit der Thematik Ausgliederung zu tun. Aus dem ganzen Land haben sich aktive Gruppen und Fanszenen zusammengeschlossen, um ihren Unmut gegen den DFB Gehör zu verschaffen (Sportgerichtsbarkeit, Korruption, Anstoßzeiten usw.). Aktuell hat der DFB Dialogbereitschaft signalisiert und unter Vorbehalt sogar die Kollektivstrafen (Blocksperren etc.) zunächst ausgesetzt. Diese Bereitschaft, ernsthaft etwas zu verändern, basiert sicher nicht auf einem plötzlichen Sinneswandel. Der DFB hat nur gemerkt, dass die Presse die Proteste aufgegriffen hat und sich in den Stadien Mehrheiten über verschiedene Arten des „Fan-Seins“ hinaus bilden. Wir wollten einfach die Gelegenheit nutzen, die Mitglieder des 1.FC Nürnberg dazu zu befragen. In der Summe ein klares Ergebnis: Die Leute wissen um die Proteste und tragen sie mehrheitlich mit.

In den Kommentarspalten zeigte sich, dass den Leuten vor allem die Zerstückelung des Spieltags und die unmöglichen Anstoßzeiten auf die Nerven gehen. Der Stadionbesucher hat mittlerweile weniger Bedeutung als der Fernsehzuschauer. Mitglieder, die sich dagegen ausgesprochen haben, verorteten die Proteste vor allem in die Ecke der „Problem-Fans“.

Der 1.FC Nürnberg soll als idealer Verein wofür stehen?

Hier konnten die Mitglieder aufschreiben, wie sie ihren Verein sehen möchten. Mit großer Mehrheit zeigte sich, dass sich die Menschen einen Verein wünschen, der auf klaren Werten basiert und sich seiner Tradition bewusst ist. Sportlicher Erfolg darf nicht über allem stehen – sozusagen die höchste Maxime, der sich alles immer unterordnen muss. Betrachtet man die Protokolle der Arbeitsgruppe Arbeitsgruppe „e.V.olution“, die vom Verein ins Leben gerufen wurde, könnten die Ergebnisse kaum gegensätzlicher sein. Hier heißt es bei den wichtigsten Zukunftsbildern, dass man sportlich bzw. wirtschaftlich zu den Top12 gehören möchte und gut in der Metropolregion verwurzelt sein möchte. Nach unserer Umfrage und den Zahlen besteht berechtigter Zweifel, ob die Arbeitsgruppe bzw. deren Ergebnisse eine Mehrheit der Mitglieder überhaupt abbildet.

Soweit die Ergebnisse. Für Rückfragen und Diskussionen stehen wir immer gerne zur Verfügung. Uns allen stehen spannende Zeiten bevor – als Vereinigung von Fans mit verschiedenen Hintergründen werden wir weiter aufklären und konstruktiv an möglichen Zukunftsperspektiven mitarbeiten. Der 1.FC Nürnberg ist vor allem eine Sache des Herzens – deshalb heisst das Lied ja auch: Liebe – Glaube – Leidenschaft!