Ein Kommentar

Das Frankenland im Frühjahr 2018. Im vierten Jahr grauer Zweitligatristesse liegt endlich wieder Euphorie in der rot-schwarzen Luft! Der Glubb steht an der Tabellenspitze der zweiten Bundesliga und das Heimderby gegen angeschlagene Fürther steht vor der Tür. Der Aufstieg ist wieder zum Greifen nahe und es geht seit langer Zeit mal wieder ein Ruck durch die gesamte Region.

Nur an einem scheint diese Euphorie wohl etwas vorbeizugehen. Unser Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Grethlein sieht sich in dieser Phase dazu genötigt, gewaltig auf die Euphoriebremse zu drücken. In einem Artikel auf nordbayern.de sagt dieser sinngemäß: Der Club könne zwar jetzt schon aufsteigen, aber nächstes oder übernächstes Jahr steigt er sowieso wieder ab. Wie bitte?

Eins vorneweg: Selbst dem größten Optimisten dürfte klar sein, dass es für den FCN auch im Falle eines Aufstiegs erstmal wieder gegen den Abstieg geht. Das hat das Fußballgeschäft so an sich und der 1.FC Nürnberg kennt sich damit ja auch bestens aus. Warum also diese Aussage? Grethlein legt mit der Bemerkung, „wer ein bisschen besser spielt, bleibt nicht beim Club“, sogar noch einen drauf. Welch ein Erkenntnisgewinn! Ist der Club also im Falle eines Aufstiegs tatsächlich so chancenlos, dass er sich die 34 Spiele gleich schenken kann?

Ganz im Gegenteil. Im Falle der Erstklassigkeit würde sich der Nürnberger Gesamtetat verdoppeln, von 40 Millionen auf 80 Millionen, wie die Sport Bild berichtete. Damit wäre dieser vergleichbar mit den Etats des SC Freiburg oder FSV Mainz 05. Zwei Vereine, die – man glaubt es kaum – beide in der Bundesliga spielen. Letztere sogar schon seit sage und schreibe neun Jahren. Ob der Aufsichtsratsvorsitzende der Mainzer im Moment aufgrund eines kritischen Tabellenplatzes auch in Zeitungen den Abstieg seines Teams prophezeit? Wir bezweifeln es.

An mangelnder Konkurrenzfähigkeit kann Grethleins Aussage also nicht gekoppelt sein, woran nun dann? Liest man den Artikel auf nordbayern.de weiter, erlangt man schnell Klarheit. Dort heißt es: „Ändern könnte man dies möglicherweise durch eine Ausgliederung des Profifußballs, sodass Investoren in den Verein investieren können.“ Daher weht also der Wind.

Wir halten fest: Der FCN ist auf Aufstiegskurs und dessen Vorsitzender des Aufsichtsrats bremst die entstandene Euphorie ohne nachweislichen Grund, um seine Agenda der Kapitalisierung des Vereins durchzubringen. Wehe dem, der uns noch einmal das Schüren von falschen Ängsten vorwirft!

Die Methode Grethlein wird man sicherlich in der nun heißen Phase der Ausgliederungsdebatte noch häufiger mitbekommen. Unser Appell daher an alle Clubfans: Glaubt bitte nicht alles, was Vorstand und Aufsichtsräte euch auftischen. Bleibt kritisch, stellt Fragen, hakt nach.

Leider wirkt es auch so, dass eine mediale Opposition in Nürnberg weitestgehend ausbleibt. Es macht den Eindruck, als würden weite Teile der lokalen Sportredaktionen kommentarlos stehen lassen, was ihnen vom Valznerweiher serviert wird.

Wir können an dieser Stelle nur noch einmal mehr dazu aufrufen: Wenn ihr so denkt wie wir, werdet Mitglied, kommt zur Mitgliederversammlung und stoppt die Kommerzspirale. Jetzt, wo auch noch 50+1 auf der Kippe steht, ist das umso wichtiger.

Und wer weiß: Vielleicht stehen wir bereits nächste Saison wieder als eingetragener Verein in der Bundesliga – in der selben basisdemokratischen Rechtsform wie im Moment der SC Freiburg und Mainz 05.

Spruchband Bochum