Nachdem wir kürzlich über die Rechtsform der GmbH & Co. KGaA berichteten, geht es heute um die Aktiengesellschaft (AG). Das bekannteste Beispiel einer AG im Fußball ist der FC Bayern München - aber es gibt auch andere Clubs, die sich für diese Rechtsform entschieden haben.

Die Aktiengesellschaft ist selbst eine rechtsfähige juristische Person, das erforderliche Mindestkapital beträgt 50.000,00 Euro. Aktionär kann jede Person sein, also auch eine juristische Person wie ein eingetragener Verein.

Die Aktiengesellschaft hat drei Organe, welche wir kurz vorstellen wollen.

Hauptversammlung (beschließendes Organ)

Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft besteht aus allen Aktionären. Die Versammlung kann dem Vorstand in Angelegenheiten der Geschäftsführung keine Weisungen erteilen, sondern wählt den Aufsichtsrat. Die der Hauptversammlung zustehenden Rechte sind unter anderem die Entscheidung über Satzungsänderungen, Bestellung und Abberufung des Aufsichtsrates, Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrates sowie die Auflösung der Gesellschaft.

Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat wird generell von der Hauptversammlung bestellt, das heißt gewählt. Der Aufsichtsrat wiederum bestimmt die Mitglieder des Vorstands und überwacht die Vorstandstätigkeit. Ferner vertritt der Aufsichtsrat die AG gegenüber den Vorstandsmitgliedern.

Vorstand

Der Vorstand ist für die Leitung der AG zuständig und nicht weisungsgebunden, sondern wird nur in der grundsätzlichen Ausrichtung seiner Arbeit durch den Aufsichtsrat kontrolliert.

AG Struktur

 

Eine AG kann börsennotiert sein, muss es aber nicht. Es kann durchaus sein, dass alle Aktien von einem Aktionär gehalten werden.
Im Profifußball gibt es zwei Varianten, wie eine AG zur Ausgliederung genutzt wird.

1)    Als Kommanditist einer GmbH & Co. KGaA

Dieser Form einer Aktiengesellschaft haben wir bereits einen eigenen Beitrag gewidmet. Die bisher einzige börsennotierte AG im deutschen Fussball ist die Kommandit-AG des BVB Borussia Dortmund. Hier können alle Aktionäre den Aufsichtsrat mitwählen – allerdings liegen die meisten Rechte an der Lizenzspielerabteilung bei der GmbH, das heißt dem Verein.

2)    Als "reine" Aktiengesellschaft

Hier gibt es einige Vereine, die ihre Lizenzspielerabteilung in eine AG ausgegliedert haben, unter anderem Bayern München, der Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und die Würzburger Kickers.

a)    Würzburger Kickers

Die Kickers Würzburg verfügen über eine vergleichsweise einfache Gesellschaftsstruktur. Die Lizenzspielermannschaft ist eine AG, die zu 100 Prozent dem Verein gehört und an der auch keine Anteile verkauft werden dürfen.

Allerdings befindet sich der Verein in der komfortablen Lage, dass er mit Flyeralarm einen Großsponsor hat, so dass kein zusätzliches Geld nötig ist. Wird diese Unterstützung beendet, kann man entweder wieder absteigen oder muss Anteile verkaufen. Aus eigener Kraft kann dieser Verein mit seiner AG nicht im Profifußball existieren.

b)    Bayern München

Die FC Bayern München AG wurde 2001 vom FC Bayern München e.V. zur Stadionfinazierung gegründet und hatte ursprünglich die Aktionäre FC Bayern München e.V. und adidas. Für adidas war das vorteilhaft, weil sich die Herzogenauracher auf diesem Weg langfristig als Ausrüster und Werbepartner an den FC Bayern München gebunden hatten.

Später kamen noch Allianz und Telekom als Aktionäre hinzu, der FCB hält aber weiterhin 75,01% aller Aktien (und damit Stimmen). Das heißt: noch könnte der Verein alles beschließen, was er möchte.

c)    Hamburger SV

Die HSV Fussball AG ist ein Beispiel, wie es nicht laufen sollte. Der HSV hatte schon in den 1990er-Jahren versucht über eine HSV AG 36 Mio D-Mark über Aktienverkauf an Kleinantionäre zu bekommen, was aber nicht klappte.

2014 wurde dann die Profiabteilung in die noch bestehende AG ausgegliedert - zu diesem Zeitpunkt war der Verein schon mit nahezu 90 Millionen Euro verschuldet. Dennoch wird der Verein mit circa 200 Millionen Euro bewertet und hat mittlerweile fast 15 Prozent der Aktien an Investoren verkauft. Den Großteil davon hält Klaus-Michael Kühne, der aufgrund seiner Darlehen auch einen immensen Einfluss auf den Aufsichtsrat hat - sogar mehr als ihm mit seinen 11 Prozent Aktienanteilen am HSV zusteht.

Gerade am Beispiel HSV kann man sehen, dass der Wert einer nicht börsennotierten Fußball-AG nicht mit der tatsächlichen Wirtschaftskraft zu tun hat. Sollte Herr Kühne seine Unterstützung einstellen, ist der HSV zahlungsunfähig – und damit seine Investition verloren.

Es gibt also verschiedene Wege, eine Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Alle haben Vor- und Nachteile. Das Wichtigste ist jedoch, dass der Verein seine volle Gestaltungsmöglichkeit behält und das laufende Geschäft von fähigen Managern betrieben wird. Dann ist die Rechtsform zunächst sekundär. Der Verweis auf erweiterte finanzielle Handlungsspielräume in einer Aktiengesellschaft, sollte niemals ohne eine Abwägung der gegebenen Risiken erfolgen.