Sind der e.V. und 50+1 wirklich Auslaufmodelle? Das fragen auch wir uns immer wieder. Die folgenden Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit beweisen das Gegenteil.

Nimmt man wahr, was hiesige Funktionäre und Aufsichtsräte in den Medien kundtun, dann kann man den Eindruck gewinnen, als ob die Rechtsform des eingetragenen Vereins in absehbarer Zeit gar nicht mehr haltbar sei. Diejenigen, die diese Aussagen tätigen, äußern sich aus dem Standpunkt heraus ihren jeweiligen Verein in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern zu wollen oder im schlimmsten Fall: die Alleinherrschaft wie in Hannover anzustreben. Dieses Argument ist anhand eines Urteils des Bundesgerichtshofes aus dem Mai dieses Jahres zu widerlegen.

Vereine dürfen sich wirtschaftlich betätigen

Ein Urteil des Bundesgerichtshofes widerspricht nämlich der Meinung einiger „Rechtsexperten“, dass sich eingetragene Vereine „grundsätzlich nicht wirtschaftlich betätigen dürfen“.

Ausgangspunkt der Diskussionen innerhalb des BGH war zunächst nicht der Fußball, sondern ein Streit um einen Verein, der Kindertagesstätten betrieb. Dieser wurde aus dem Vereinsregister gelöscht, weil er kommerziell in einer hohen Größenordnung tätig war.

Gegen diese Entscheidung klagte der Verein und tat dies mit Erfolg.

Der BGH schreibt in seiner Begründung des Urteils, das schon am 16. Mai beschlossen wurde: „Zwar handelt es sich bei dem Betrieb der Kindertagesstätten um einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Dieser Geschäftsbetrieb ist aber dem ideellen Hauptzweck des Vereins zugeordnet und fällt deshalb unter das sogenannte Nebenzweckprinzip.“ Heißt übersetzt: Ein eingetragener Verein darf Geld in beliebiger Höhe umsetzen, wenn er dies in seinem gemeinnützigen Zweck macht. Dies gilt für Vereine aller Art vom Gesangsverein bis zum Sportklub.

Damit gilt das auch für unseren Verein, den 1.FC Nürnberg e.V. Entscheidend ist hierbei der ideelle Zweck, den ein Verein verkörpert und der bei einem Fußballverein und gerade bei unserem Verein zweifelsfrei besteht.

Der Vorstandsvorsitzende des FSV Mainz 05, Johannes Kaluza, sieht durch dieses Urteil „in der aktuellen Debatte einen Kontrapunkt“ erreicht. Der Umfang der wirtschaftlichen Betätigung spielt in den Augen des BGH dabei keine Rolle. So ist es unerheblich, ob der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb einem ideellen Zweck zu- bzw. untergeordnet sei. Es könne dem Verein schließlich nicht verwehrt werden, die zu seiner gemeinnützigen Tätigkeit erforderlichen Mittel zu erwirtschaften.

Martin Kind in Bedrängnis

Auch bei Hannover 96 gibt es Neuigkeiten. Vergangenes Wochenende überschlug sich dort die Debatte um eine Übernahme des Clubs durch Martin Kind. Auslöser war ein durch Medienrecherchen gefundenes Gutachtens der DFL aus dem Jahr 2008. Kind, der seit Jahren eine Doppelrolle als Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der KGaA einnimmt, geriet schon 2008 in den Fokus der Gutachter. Denn neben dieser fragwürdigen Doppelrolle steht der Umstand, dass der eingetragene Verein lediglich zwei Mitglieder in den fünfköpfigen Aufsichtsrat der Kapitalgesellschaft entsendet. Damit bleiben die Geldgeber in diesem Gremium stets in der Mehrheit.

Das widerspricht jedoch den Statuten der DFL zur 50+1 Regelung. Die besagen, dass gemäß der Satzung die Mehrheit in den lizenznehmenden Kapitalgesellschaften stets bei den Muttervereinen verbleiben muss. Nach diesem Gutachten hätte Hannover eigentlich die letzten Jahre ordnungsgemäß die Lizenz für den Spielbetrieb verweigert werden müssen. Es ist also umso brisanter, warum dieses Gutachten jetzt auf einmal auftaucht.

Hinzu kommt, dass seit einigen Tagen beim Landgericht Hannover ein weiteres Verfahren mit dem Ziel einer einstweiligen Verfügung gegen die Übernahmepläne Martin Kinds anhängig ist. Vereinsaufsichtsrat Ralf Nestler hat als Antragsteller dieses Verfahrens ein Gutachten der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly eingeholt. Das Gutachten bewertet den Mindestkaufpreis von 51 Prozent der Managementanteile, das heißt noch nicht einmal den Marktwert, mit 10 Millionen Euro.

In der aktuellen Ausgabe des Spiegels vom 06. November wird über diverse weitere Vorgänge hinter den Kulissen von Hannover 96 berichtet; zum Beispiel über ein angebliches „Ein-Satz-Gutachten“, welches den Aufsichtsräten bei der Zustimmung zum Verkauf von 51 Prozent der Management-Anteile für 12.750 Euro als Grundlage gedient haben soll. Im Vergleich zum Gutachten von Baker Tilly entsprechen die 12.750 Euro gerade einmal 0,1 Prozent des ermittelten Mindestkaufpreises. Das wirft auf die Debatte um den Wegfall der 50+1 Regelung und eine mögliche Übernahme Kinds („Lex Hannover“) einen neues Licht. Die Entscheidung der DFL bleibt abzuwarten.

Freiburg bekennt sich zum e.V.

Bemerkenswerte Neuigkeiten gibt es auch aus Freiburg: Am 26. Oktober legte der SC ein klares Bekenntnis zur Rechtsform des eingetragenen Vereins vor und erteilte damit einer Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft eine klare Absage. Eine Prüfung des e.V. als Rechtsform, die vom Verein getätigt wurde, offenbarte, dass eine Ausgliederung nicht zwangsläufig zu unternehmen sei.

Auf der Präsentation bei der Mitgliederversammlung bekannte sich der Verein dazu, zukünftig Zukunft für den Erhalt von 50+1 kämpfen zu wollen. Dieses Statut möchhte der SC gar „gerichtsfest“ machen.

Weiterhin sieht sich der SC als ein Verein „aus Überzeugung“, der in Zukunft Sponsoren finden möchte, die zum „Verein passen“.

Der SC Freiburg, der seit dem Jahr 2009 lediglich eine Spielzeit in der 2. Bundesliga verbrachte und diese als klarer Tabellenführer abschloss, geht damit einen Weg, der dem wütenden „Ausgliederungs-Mantra“ klar entgegentritt.