Kommentar

50+1 bleibt. Und das ist gut so. Einen entsprechenden Antrag des FC St. Pauli befürwortete die Mehrheit der DFL am vergangenen Donnerstag (22.03.2018). 18 Geschäftsführer stimmten dafür, neun enthielten sich. Lediglich vier Clubs waren dagegen: RB Leipzig, Heidenheim, Greuther Fürth – und natürlich Bayern München.

Das kam wenig überraschend. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte immerhin schon im Vorfeld seinen Widerstand angekündigt. Staunen darf man im Nachhinein trotzdem. Denn jüngst wollte sich Rummenigge seine Niederlage nicht eingestehen. Im Gegenteil: Im Kicker-Interview lamentiert er, ein "mäßig erfolgreicher Zweitligist" wie St. Pauli habe in Form seines Geschäftsführers Andreas Rettig ein "populistisches Spektakel" veranstaltet. Weiter sagt er: "Es befremdet mich, dass ein Zweitligist, der nach meinem Kenntnisstand noch nie in einem europäischen Wettbewerb mitgespielt hat, auf einmal nicht nur eine prominente, sondern auch dominierende Rolle einnimmt."

Nun gut. Vielleicht, möchte man meinen, sollte man Rummenigge einfach etwas Nachhilfe in der Sinnhaftigkeit demokratischer Prozesse geben. Diese gibt es zum Glück in der DFL noch. Aber warum nimmt er das Votum so persönlich?

Aus Sicht seines Heimatclubs wirkt es zunächst wenig nachvollziehbar. Wirtschaftlich steht Bayern München so solide da, wie kein anderer deutscher Proficlub. Ihnen geht es sogar bessern denn je. Für das Geschäftsjahr 2016/17 vermeldete der Konzern zuletzt einen Rekordumsatz von 640,5 Millionen Euro. Wohlgemerkt in einem Jahr, in dem die Bayern darüber klagten, es in der Champions League "nur" ins Viertelfinale geschafft zu haben. Auch der Gewinn stieg auf einen Höchststand von 39,2 Millionen Euro.

Warum also ein Ende von 50+1 fordern? Vermutlich weil Rummenigge nicht genug bekommen kann. Und weil er um den Anschluss im europäischen Geschäft fürchtet. Zuletzt machte etwa ein Club wie Paris St. Germain von sich reden. Der sicherte sich für 222 Millionen Euro Neymar. Zum Vergleich: Der teuerste Spieler in der Geschichte des FC Bayern Corentin Tolisso kostete 41,5 Millionen Euro. Bei der derzeitigen Expansionssucht vergleichbarer Top-Clubs können die Roten schwerlich mithalten. Und den Weg zu frischem Kapital sieht die Führung des FCB rund um Rummenigge und Hoeneß womöglich in einem erneuten Anteilsverkauf. Den hatte Hoeneß immerhin schon Anfang 2017 öffentlich gefordert.

Derzeit nämlich gibt es bei den Bayern drei Investoren: Adidas, Audi, Allianz. Zusammen halten sie knapp 25 Prozent der Anteile an der Bayern München AG. Jeder in gleicher Höhe, also zu jeweils 8,33 Prozent. Das geschah freilich nicht zufällig. Durch die dadurch vorhandene Sperrminorität wollten die Bayern eigentlich verhindern, dass fremde Unternehmen zu viel von ihrem Club abbekommen. Bislang zumindest.

Offensichtlich aber sind zusätzliche Investoren an der Säbener Straße keine Zukunftsmusik mehr. Das legen zumindest Rummenigges Äußerungen gegen 50+1 nahe. Zuletzt etwa hatte die Allianz 110 Millionen Euro gezahlt. Das war deutlich mehr als bei Adidas und Audi. Durch die Wertsteigerung der Bayern in den vergangenen vier Jahren dürfte ein erneuter Anteilsverkauf noch einmal lukrativer sein.

Aber bringt das die Bayern wirklich weiter? Und sichert das ihnen europäischen Erfolg? Wir bezweifeln es – zumindest mit Blick auf PSG, für die dieses Jahr bereits im Achtelfinale der Champions League Schluss war. Kalle Rummenigge hingegen sieht das anders. Er sagt: "Wir hätten heute weniger Bedenken, einen Transfer um die 100 Millionen zu machen, als es noch vor Jahren der Fall war." Na wenn das so ist: Viel Erfolg. Vielleicht spricht aus den Äußerungen aber auch nur die Frustration, es auf europäischem Parkett nicht ganz so einfach zu haben, wie in der seit Jahren langweiligen Bundesliga.