In den Diskussionen rund um die finanzielle Lage des 1.FC Nürnberg fällt häufig der Begriff „stille Reserven“. Oft immer dann, wenn es um den wahren Vereinswert des 1.FCN geht – oder dürftige Bilanzen aufgewertet werden sollen. Trotzdem herrscht noch immer viel Unklarheit: Stille Reserven, was heißt das überhaupt?

Stille Reserven sind im Rechnungswesen die nicht aus der Bilanz ersichtlichen Bestandteile des Eigenkapitals. Sie entstehen etwa dann, wenn Vermögen unterbewertet werden – oder wenn Schulden überbewertet werden. Das heißt: Stille Reserven sind der Unterschiedsbetrag zwischen dem in der Bilanz eingetragen Wert (Buchwert) und dem tatsächlichen Wert eines Wirtschaftsgutes (Teilwert).

Mögliche stille Reserven bei Fußballvereinen sind in erster Linie Spielerwerte. Ein Spieler wird zum Beispiel für 100.000 Euro für die U21 gekauft. Mit diesem Wert wird der Spieler verbucht. Nehmen wir nun an, der Wert des Spielers steigt während der Vertragslaufzeit auf 1 Millionen Euro. Dann betragen die stillen Reserven für diesen Spieler 900.000 Euro.

Zur Verdeutlichung ein kleines grafisches Beispiel:

Bilanz Stille Reserven

Um die stillen Reserven in „echte“ Werte umzuwandeln („zu heben“), muss das entsprechende Wirtschaftsgut in der Regel verkauft werden – wobei auch Betriebsveräußerungen oder Ausgliederungen denkbar sind. Ohne Verkauf gilt nur die jeweils linke Spalte in der Grafik, also der Buchwert; erst nach einem Verkauf gilt die rechte Spalte, der sogenannte Teilwert.

Hieraus entsteht ein sogenannter Veräußerungsgewinn, der den Jahresüberschuss in Höhe der stillen Reserve steigert und sich somit positiv auf das Eigenkapital auswirkt. Es muss allerdings beachtet werden, dass bei Aufdeckung stiller Reserven Steuern anfallen und die Abschreibungen auf das höher bewertete Wirtschaftsgut steigen.

Natürlich kann auch negatives Eigenkapital (mehr Schulden als Vermögen, wie beim Club) aufgrund der Aufdeckung stiller Reserven verringert werden. Im Idealfall kann das negative Eigenkapital sogar ins „Plus“ wechseln. Auf diese Weise erklärte einst auch Herr Woy, dass der Club gar nicht so schlecht dagestanden sei. Das negative Eigenkapital wäre durch stille Reserven gedeckt gewesen.

Um solche stille Reserven wie Spielerwerte zu nutzen („zu heben“), müssen die Akteure jedoch nicht zwingend verkauft werden. Genauso ist es möglich einen Spieler etwa bei Vertragsverlängerung neu zu bewerten und zum neuen Marktwert in die Bücher aufzunehmen. Auch ist es denkbar im Falle einer Ausgliederung die stillen Reserven an die neue Gesellschaft zu veräußern.

Neben Spielerwerten sind das vor allem Markenrechte, das heißt das Recht zur Vermarktung eines Vereins. Diese Reserven hätte der 1. FC Köln genutzt, wie zum Beispiel Herr Meeske betont. Im Rahmen der Ausgliederung hat der 1. FC Köln damals zum einen die Ausrüsterrechte an die ausgegründete eigene Marketing GmbH verkauft, zum anderen die Werbe- und Marketingrechte. Später wurden noch die Catering-Rechte verkauft.

Damit hat der Verein Geld bekommen, weil er etwas verkauft hat, auch wenn er es an eine eigene Tochter verkauft hat. Die DFL hat das nicht interessiert. Auf diese Weise konnte sich der 1 FC Köln einst genug Geld verschaffen, um trotz finanziell klammer Situation eine Bundesliga-Lizenz zu erhalten.

Natürlich geht das nicht unbegrenzt. Auf den Verkauf fällt Umsatzsteuer an, später folgen erhöhte Abschreibungen. Zur weiteren Rettung benötigte der 1. FC Köln eine Fananleihe – und hatte zum Glück auch sportlichen Erfolg.

Beim Club sieht es aktuell so aus, dass die Fan Shop GmbH bereits ausgegliedert ist. Deshalb ist es fraglich, wieviel mit einem Weiterverkauf verschiedener Rechte an eine fußball-GmbH zu erlösen wäre. Zumal die Fanshop GmbH schon 800.000 Euro Schulden trägt.

Immerhin ist die Frage bei solch einem Verkauf außerdem: Wem gehören diese Gesellschaften, in denen die Markenrechte landen? Beim 1. FC Köln liegen diese Rechte weiter zu 100 Prozent in Vereinshand, so dass durch die Ausgliederung tatsächlich die stillen Reserven genutzt werden konnten, ohne die Kontrolle zu verlieren. Wie sieht das aber aus, wenn die Markenrechte an eine Gesellschaft gehen, die zu Großteil einem Investor gehört?

Der FC St. Pauli zum Beispiel hat 2015 seine Namensrechte für 1,3 Millionen Euro zurückgekauft, nachdem ihm aufgrund des vorigen Verkaufs zu wenige Erlöse zukamen.

Bleibt als letzte Möglichkeit zur Veräußerung stiller Reserven der Wert des Grundstücks Valznerweiher. Bis vor kurzem hatte es für den FCN Fußball e.V. keinen Wert. Erst durch die Zustimmung des Dachvereins, dass dieses Grundstück beliehen werden darf, hat es plötzlich einen Wert für den FCN Fußball. Dieses Grundstück könnten Banken und Investoren als Sicherheit verwenden.

Bedenken sollte man allerdings, dass das Grundstück im Falle eines Scheiterns der Kapitalgesellschaft weg wäre. Das heißt: Für ein „Butterbrot“ könnte es den Eigentümer wechseln – während der Restverein in eine voraussichtliche Pleite schlittert.