Ein häufiges Argument pro Ausgliederung ist die finanzielle Situation des 1.FCN. Oft fällt in diesem Zusammenhang das Thema Kreditwürdigkeit. Doch verbessert sich die überhaupt durch eine Ausgliederung? Was genau bedeuten solche Begriffe wie Bonität und Rating – und was hat das mit dem FCN zu tun?

In diesem Artikel möchten wir aufzeigen, dass es durch einen Rechtsformwechsel nicht automatisch zu einer „enormen“ Steigerung der Kreditwürdigkeit und des Ratings kommt. Aktuell ist es beim FCN offensichtlich so, dass er durch sein negatives Eigenkapital eine schlechte Bonität besitzt. Banken gewähren deshalb nur bedingt Kredite und Umschuldungen. Wir möchten zunächst die Begriffe Bonität und Rating erklären:

•    Bonität / Kreditwürdigkeit:

In der Finanzwirtschaft meint Bonität die Fähigkeit eines Unternehmens, die aufgenommenen Schulden zurückzahlen zu können (wirtschaftliche Bonität) und den Willen, diese zurückzuzahlen (Zahlungswilligkeit). Bei Unternehmen prüfen Banken meist folgende Kriterien und Auskünfte:

-    Allgemeine Angaben aus Bankauskunft
-    Rechtsform und Unternehmenssatzung
-    aus dem Jahresabschluss: Eigenkapitalquote, verfügbarer Cashflow, Cashflow in Prozent des Umsatzes, Gewinn- und Verlustsituation, Vermögens- und Schuldensituation
-    Qualität des Managements, Unternehmensplanung, Investitionspolitik

•    Rating:

Unter Rating versteht man im Finanzwesen die von einer Ratingagentur oder von Kreditinstituten vorgenommene Einstufung der Bonität eines Unternehmens. Mit Rating wird sowohl das Verfahren bezeichnet, mit dessen Hilfe die Kreditwürdigkeit ermittelt wird, als auch das Ergebnis dieser Analyse. Zur Beurteilung und Einstufung der zu bewertenden Schuldner sammeln die Ratingagenturen und Banken sämtliche veröffentlichten Daten über das Ratingobjekt. Sie kontaktieren den Schuldner für zusätzliche Informationen und werten diese Daten intern aus. Daraus ergeben sich quantitative und qualitative Rating-Faktoren.

Quantitative Faktoren

Meint die Bewertung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens anhand von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Gewinn, Fremdkapitalquote, Cashflow und Liquiditätsgrad.

Qualitative Faktoren

Unter die qualitativen Faktoren fallen Merkmale wie Managementqualität, Unternehmens-strategie, Organisationsstruktur, Prozessorganisation, Fortbildung der Mitarbeiter. Dazu kommen Aufbau des Controllings und des Risikomanagements, Wettbewerbsfähigkeit und Public Relations.

Bei den meisten Kapitalgesellschaften ist die Haftung beschränkt. Dann bedingt hohes Eigenkapital meist eine gute Bonität, niedriges Eigenkapital eine schlechte Bonität. Denn wo viel Eigenkapital ist bestehen finanzielle Sicherheiten.

Im Falle einer Ausgliederung käme es allerdings auch darauf an, welche Werte in die Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden sollen und ob entsprechende Sicherheiten vorhanden sind. In unserem Falle müsste der 1. FC Nürnberg e.V. die Sicherheiten für die Schulden der ausgegliederten Gesellschaft stellen.

Wir haben bei Banken nachgefragt und dazu folgende Antwort bekommen:

•    Banken leihen in der Tat ungerne Geld an Fußballvereine, vor allem, wenn sie schlecht dastehen. Die 20 Spieler bieten zu wenig Sicherheit.
•    Wenn die Lizenzspieler ausgegliedert sind und diverse Tochterfirmen mit Einnahmen in die Kapitalgesellschaft konsolidiert sind, kann man eine solche Gesellschaft leichter ranken als einen Verein.
•    Ein Verein, der sich per Satzung den gleichen Veröffentlichungspflichten wie eine Kapitalgesellschaft unterwirft – also seine Gewinn- und Verlustrechnung plus Bilanz veröffentlicht, genauso wie eine GmbH oder GmbH & Co KGaA – wird vermutlich genauso geratet.
•    Aus einer Kapitalgesellschaft sind die Sicherheiten leichter herauszulösen als aus einem Verein, das heißt vor allem dingliche Sicherheiten wie Grundstücke, aber eventuell auch Namensrechte. – Das ist der einzige Punkt, der einer Kapitalgesellschaft zu einem besseren Rating verhelfen könnte.

Auf der Podiumsdiskussion im Südpunkt am 8.12.2016 wurde angesprochen, dass eine ausgegliederte GmbH eine bessere Bonität als der 1. FCN haben würde. Die Aussage lässt sich aus unserer Sicht nicht pauschal treffen. Die Bonität hängt von verschiedenen Faktoren ab:

•    Wie hoch ist das Eigenkapital der neuen GmbH beziehungsweise GmbH & Co KGaA, das heißt wieviel Geld schiebt der FCN e.V. in die neue Gesellschaft?
•    Welche Sicherheiten gibt der FCN e.V. einer neuen Kapitalgesellschaft, zum Beispiel durch Bürgschaft auf das Vereinsgelände, und welche Zugriffsrechte räumt er Gläubigern beziehungsweise Gesellschaftern ein?
•    Wie berichtet der FCN an die Banken und wäre der FCN e.V. künftig bereit, entsprechend des GmbH-Gesetzes regelmäßig eine Bilanz in detaillierterem Maße als bisher zu veröffentlichen?

Im letzten Punkt sehen wir den Hauptgrund für eine eventuell bessere Bonität.

Die Möglichkeit, Entscheidern transparent über die aktuellen Zahlen zu berichten und „maximale Informationsqualität“ zu gewährleisten, besitzt der FCN bereits.