Wann und unter welchen Voraussetzungen können die Mitglieder eines e.V. überhaupt zur Haftung herangezogen werden? Diese Frage betrifft aktuell auch die Fans des 1. FC Nürnberg. Die finanzielle Situation ist angespannt. In den Augen mancher Skeptiker stünde der Verein kurz vor dem Aus beziehungsweise der Zahlungsunfähigkeit. Daraus resultiert in vielen Fällen eine Insolvenz.

Dahingehend wollen wir euch etwas aufklären und die „Angst“ nehmen. Dass Mitglieder eines e.V. persönlich haften, ist nahezu ausgeschlossen.

Der e.V. ist eine eigenständige juristische Person mit einem von den Mitgliedern verselbstständigten Vereinsvermögen. Er ist dadurch eigenständiger Träger von Rechten und Pflichten und haftet für sein Handeln und Tun mit seinem Vereinsvermögen und ist damit von den Mitgliedern losgelöst zu betrachten. Mitglieder sind als natürliche Personen davon getrennt zu sehen.

Mitglieder haben gegenüber dem Verein ihre satzungsmäßigen Pflichten (z.B. Beitragszahlung) zu erfüllen und nehmen in der Mitgliederversammlung an der Willensbildung im Verein teil.

Das Vereinsrecht sieht über die Satzungsregelungen des Vereins hinaus keine Nachschusspflichten der Mitglieder vor. Auch nicht, wenn sich der Verein in der finanziellen Krise befinden sollte. Allein die Satzung kann mögliche finanzielle „Sonderopfer“ festlegen.

Der BGH hat in Urteilen vom 24.09.2007 und vom 02.06.2008 zu diesem Thema sehr deutlich gesagt, dass Mitglieder zu einem einmaligen Sonderopfer verpflichtet werden können (maximal bis zur sechsfachen Höhe des jährlichen Vereinsbeitrages). Allerdings: Nur dann, wenn das die Satzung ausdrücklich festlegt. In der Satzung des 1. FC Nürnberg befindet sich so eine „Klausel“ nicht!

Der BGH hat sich zudem in seiner „berühmten“ Kolping-Entscheidung - Urteil vom 10.12.2007 - zur Frage der Nachschusspflicht geäußert und diese rundweg verneint. Der BGH hat klargestellt, dass für Verbindlichkeiten des e. V. regelmäßig nur dieser selbst haftet. Nur in absoluten Ausnahmefällen lässt die Rechtsprechung die sogenannte Durchgriffshaftung zu, zum Beispiel falls Mitglieder den Verein „missbrauchen“, um selbst rechtliche Vorteile zu erhalten.

Fazit: Die Mitglieder eines e.V. schulden dem Verein nur die satzungsgemäß festgelegten Beiträge. Für schuldrechtliche oder deliktische Forderungen (beziehen sich auf Schäden, die durch widerrechtliche Handlungen entstanden sind, etwa Betrug) gegen den Verein müssen die Mitglieder nicht mit Ihrem Privatvermögen einstehen. Haftungsmasse des Vereins ist allein das Vereinsvermögen.

Zum Abschluss ist außerdem zu erwähnen, dass ein e.V. in der Größe des 1.FCN, wie auch jedes „normale Unternehmen“, normalerweise verschiedene Versicherungen (z.B. Haftpflichtversicherung) abgeschlossen hat. Damit sind er selbst, seine Angestellten und vor allem die Mitglieder sowie ehrenamtlich Tätigen vor privater Inanspruchnahme geschützt.