Statement Mein Club – Mein Verein zu den Protesten und dem DFL-Investoreneinstieg

Der 1. FC Nürnberg und die Protestegegen den DFL-Investoreneinstieg Die Fanproteste in den Stadien der Republik sind das Ergebnis einer langen Entwicklung im letzten Jahr, die auch wir bei „Mein Club – mein Verein“ mit Sorge beobachtet haben. Auch wenn das Thema etwas komplex anmutet, könnte man uns hier zunächst fragen, warum wir hier so besorgt sind, hat doch unser FCN auf der Mitgliederversammlung der DFL gegen die geplante Gewinnbeteiligung eines Investors gestimmt und ist damit ja auf der Linie der großen Mehrheit der Fans und auch uns. Investoren – also Fremdanteilseigner – waren uns bei unserem eigenen Verein schließlich schon immer aus guten Gründen ein Dorn im Auge. Im Falle der DFL sind die langfristigen Folgen für Vereine, die bei der Verteilung der Fernsehgelder nicht so gut abschneiden, verheerend. Die Schere zwischen den „Großen“, die über reichlich Kapital verfügen und sich ihren Erfolg deutlich einfacher „zusammenkaufen“ können und den Traditionsvereinen, die zwar für die Attraktivität des Produktes Fußball sorgen, aber nur gering an den Erlösen partizipieren, geht immer weiter auf. Von der Durchlässigkeit von Liga 3 in Liga 2 einmal ganz zu schweigen. Eine durch Private-Equity Investoren getriebene und auf Gewinnmaximierung ausgelegte Auslandsvermarktung würde diesen Effekt nur noch weiter befeuern und eine Trennung zwischen eigenen und fremden Zielen würde immer weiter verschwimmen. An dieser Stelle wäre auch noch zu erwähnen, dass das Ziel einer Verbesserung der Auslandsvermarktung auch mit eigenen Mitteln und selbstbestimmt zu eigenen Konditionen zu erreichen wäre. Statt sich den Teufel ins Bett zu holen, könnte man den aufgerufenen Betrag auch über den Kapitalmarkt beschaffen und auf zweifelhafte Private-Equity-Gesellschaften verzichten. Ein Ansatz, der vom DFL-Präsidium aber scheinbar nicht gewünscht wurde, da es keinen entsprechenden Alternativvorschlag zur Abstimmung in der DFL-Mitgliederversammlung gab. Man hatte sich offenbar vorab bereits festgelegt.

Der 1. FCN, auf der DFL-Mitgliedervollversammlung vertreten durch Niels Rossow, stimmte am 11.12.2023 dem Investoreneinstieg nicht zu. Die Beweggründe sind wohl andere als die der Anhänger, die nun gegen den Deal aufbegehren. Es ist anzunehmen, dass es ihm vor allem um die Modalitäten rund um den geplanten Vertrag ging, so liest sich zumindest die Stellungnahme des 1. FC Nürnberg an besagtem Tag. Trotzdem eine aufrechte Entscheidung, bedenkt man den Druck der Treiber hinter dem Deal, die den Verbund zwischen 1. und 2. Bundesliga im Vorfeld der Abstimmung öffentlich zur Debatte stellten. Mit Rossow stimmten nur neun weitere Vertreter gegen den Deal, zwei weitere enthielten sich und sorgten damit für eine hauchdünne und zweifelhafte  Mehrheit von exakt zwei Dritteln der Stimmen für einen Investoreneinstieg. Das Abstimmungsergebnis, dessen absehbare und unabsehbare Auswirkungen nach dem möglichen Vertragsabschluss immerhin die gesamte Fan- und Mitgliederlandschaft betreffen, wurde bereits kurze Zeit später angezweifelt. Zum einen war das Abstimmungsverhalten durch die geheime Wahl nicht nachvollziehbar, noch wollte der Hannoveraner Vertreter Martin Kind trotz der durch den Mutterverein vorgegebenen Nein Stimme eine Aussage über sein Abstimmverhalten treffen. Spätestens hier hätten bei allen Vereinsvertretern die Alarmglocken schrillen müssen, doch es passierte bis vor wenigen Tagen in dieser Hinsicht rein gar nichts. Bis heute hat sich der 1. FC Nürnberg nicht zum Verhalten von Martin Kind und den direkten Folgen durch die Missachtung der 50+1 Regel geäußert, nach der die Entscheidung über Abstimmungen dieser Tragweite im Verein zu treffen sind. Während sich der Präsident von Union Berlin bereits vor zwei Wochen mit einem Brief an das Präsidium der DFL wandte, nahm man seitens des 1. FCN die fragwürdigen Umstände der Abstimmung schweigend zur Kenntnis. Wir sehen hier dennoch eine Verpflichtung bei Vorgängen, die den berechtigten Interessen unseres Vereins auf verschiedenen Ebenen zuwiderlaufen – und dies kann aufgrund des negativen Votums angenommen werden – alle möglichen Mittel zur Intervention auszuschöpfen.

So wäre es durchaus erforderlich gewesen, innerhalb der sechswöchigen Frist nach der Abstimmung Einspruch gegen das Abstimmungsverfahren einzulegen. Wie schon eingangs gesagt, ist das Thema schwierig und hat mit normalen fanpolitischen Themen augenscheinlich nicht so viel zu tun. Momentan finden sich wohl jegliche Parteien des Streits um den möglichen Investoreneinstieg in einer Situation, aus der fast alle Beteiligten nur als Verlierer hervorgehen werden. Das DFL-Präsidium beharrt auf dem illegitim zustande gekommenen Abstimmungsergebnis, die Fanszenen befinden sich deutschlandweit in einem schwierigen Konflikt mit eben jenem mächtigen Verband. Die Vereine, leider auch der FCN, ducken sich weg und probieren die Situation auszusitzen – der Stadiongänger wird sowohl kurzfristig durch die Protestformen, aber eben besonders auch langfristig durch die Folgen des möglichen Deals belastet. Was uns jedoch stutzig macht, ist die Tatsache, dass keiner der mit „Nein“ stimmenden Vereinsvertreter im Nachgang der Wahl einen Einspruch gegen das Ergebnis einlegte, obwohl angesichts des Verfahrens definitiv zu erwarten war, dass Kritiker der auf mindestens zwanzig Jahre anberaumten Bindung an einen Investor berechtigterweise die Legitimität absprechen würden.Weniger überraschend ist die Haltung gegenüber dem letzten verbliebenen potenziellen Investor und dessen Verstrickungen in eine Vielzahl an fragwürdigen Machenschaften. Kein Vertreter hat sich trotz der Proteste der letzten beiden Spieltage, die genau hierzu inhaltlich Stellung bezogen, bemüßigt gesehen, die Auswahl kritisch zu hinterfragen. In Anbetracht des selbstgegebenen wertebetonten Leitbildes erwarten wir jedoch, dass sich der 1. FC Nürnberg zumindest hinsichtlich einer transparenten Abstimmungswiederholung klar positioniert, wie es bereits einige Vertreter anderer Vereine taten.

Der Club lebt durch seine Mitglieder, dementsprechend muss eben jenen auch Gehör verschafft werden zu einer derartig langfristigen strategischen Entscheidung. Das Abstimmungsverhalten der 32 mitgliedergeführten Vereine, die in der DFL vertreten sind, sollte durch zuvor einberufene außerordentliche Mitgliederversammlungen legitimiert werden. Anders als es bei den beiden Abstimmungen im letzten Jahr der Fall war, besteht somit die Möglichkeit Befürworter und Gegner des Projekts in einer konstruktiven Atmosphäre zusammenzubringen – ein Zustand, der unter bisherigen Voraussetzungen nicht gegeben war. Nur ein Ergebnis, das durch Transparenz und die Befragung der Mitglieder legitimiert ist, führt wieder zu einem Zustand, den sich mit Sicherheit sowohl Offizielle wie auch Fanszenen im Sinne einer lebendigen Vereinskultur wünschen: Miteinander statt Übereinander sprechen – für einen basisorientierten Fußball in den Bundesligen!