Am Donnerstag, 16.05.2024, fand im ClubHaus eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Profifußballs statt. Veranstaltet in Kooperation mit der Akademie für Fußballkultur und moderiert von Jana Wiske (Prof. Hochschule Ansbach & Mitglied im FCN Vereinsbeirat) diskutierten Christoph Biermann (Autor), Capital-Redakteur Jannik Tillar und Matthias Fröhlich, Mitglied des Fanbeirats des 1. FC Nürnberg, über nahezu alle Themen die Fußball-Deutschland aktuell bewegen. Gerade die Vielfältigkeit machte es, soviel sei vorweg genommen, äußerst schwierig die einzelnen Themen etwas tiefer zu beleuchten. Die knapp 90minütige Veranstaltung streifte die Themen DFL Investorendeal, WM in Katar, DFB Ausrüstervertrag oder Super League und jeder Diskutant durfte seine Einschätzungen dazu abgeben. Aufgrund der engen Taktung kam wenig Diskussion auf dem Podium, oder auch mit dem Publikum, zu Stande.
Es drehte sich immer wieder um die Frage, wie „mehr Kapital“ in den Profifußball fließen kann. Sei es über DFL Investoren oder den Ausrüstervertrag des DFBs, welcher damit ja auch seinen Landesverbänden Mittel zufließen lässt. Eine Klärung der Unterschiede zwischen Sponsoren und Investoren (eigentlich Miteigentümern, d.h. auch institutionalisierte Mitsprache) wäre hier sicherlich hilfreich gewesen. Den Hinweis aus dem Publikum, dass trotz immer mehr Kapitalzuflüsse in den Profifußball die Vereine trotzdem größtenteils defizitär wirtschaften, wurde vom Vertreter des Capital-Magazins mit dem Hinweis auf den Anreiz zur Überinvestition in der Bundesliga aufgrund eines drohenden Abstiegs gekontert. Also ein Großteil der Teams (alle die potentiell in Abstiegsgefahr kommen können) geben mehr Geld aus um Ihre Chancen auf den Klassenerhalt weiter zu erhöhen – ein Abstieg hätte dramatische wirtschaftliche Auswirkungen. Hierzu könnte man anmerken, dass diese Anreize durchaus zu mindern wären, und zwar nicht nur durch eine komplette Abschaffung des Abstiegs. Nämlich durch einedeutlich gleichmäßigere Ausgestaltung der TV Gelder Verteilung, gerade im Übergang von Bundesliga zur 2. Bundesliga als auch vor allem zur 3. Liga.
Dies könnte auch ein Aspekt bei der Frage sein, „wofür steht die Bundesliga“ und wie „will Sie sich international präsentieren“? Mehr Wettbewerb in den Ligen entsteht durch mehr Gleichverteilung der zur Verfügung stehenden Mittel. Mehr Wettbewerb macht die Liga auch international attraktiver.
Fazit:
Eine durchaus schöne Idee, aktuelle Themen der Fußballwelt auch kritisch im ClubHaus zu diskutieren. Für zukünftige Veranstaltungen wäre jedoch der Fokus auf ein oder zwei Themen wünschenswert, um diese tiefergehend zu behandelnund den Diskutanten (und dem Publikum) noch mehr Möglichkeiten zur Interaktion zu bieten. Bei der Ansprache der einzelnen Diskutanten durch die Moderation wäre etwas mehr „Gleichbehandlung“ ebenfalls wünschenswert. Man gewann anhand der Fragestellungen doch oftmals den Eindruck, dass es sich auf dem Podium um „einfache Fans“ (Mitglied aus dem Fanbeirat) sowie „Experten“ (alle Anderen) handelte. Gerade mit Blick auf den DFL Investorendeal und die zahlreichen fachlich fundierten Stellungnahmen aus den Fanszenen erscheint eine solche Unterscheidung wenig angebracht.
Im ClubHaus zumindest war das Unbehagen der meisten Besucherinnen und Besucher mit den aktuellen Auswüchsen des Profifußballs deutlich spürbar. Hier gäbe es ja auch die Chance für den 1. FC Nürnberg sich, gerade vor dem Hintergrund des anstehenden 125 jährigen Vereinsjubiläums, klar zu aktuellen Themen zu positionieren und diese sowohl in den (DFL/DFB-) Gremien als auch der Öffentlichkeit zu vertreten?