„König*in Fußball“ – Konferenz im Z-Bau (04./05.07.2025)

Bei bestem (Biergarten-) Wetter fanden die Fachtage zu Fußballkultur, Politik & Gesellschaft im Nürnberger Z-Bau statt. Thematisch ging es von Groundhopping über verschiedene Facetten des Amateurfußballs bis zur Protestkultur. Am 2. Konferenztag waren auch wir als „Mein Club – mein Verein“ mit einem Runden Tisch zum Private Equity Boom im Fußball vertreten. Vielen Dank für die spannende Diskussion und den Austausch! Interessierte finden unseren Konferenz-Flyer weiter unten. Das Thema kann durchaus – gerade mit Blick auf die Entwicklungen bei 50+1 –in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen.

Ebenfalls Teil des Programms war das Rot-Schwarze-Quartier (RSQ), welches Ziel einer „Auswärtsfahrt“ vom Z-Bau war. Die Teilnehmenden bekamen einen Einblick in die vielfältige und ruhmreiche Geschichte des FCN – passend zum Slogan „mit einem Bier in der Hand“. 

Abschießend noch ein Dank an die deutsche Akademie für Fußballkultur, welche die Konferenz mitveranstaltet und organisiert hat. Veranstaltungen mit einem kritischen Blick auf die Entwicklungen im Fußball sind rar gesät – wenn dieser Blick dann auch noch speziell auf Mitgliederrechte oder Faninteressen gelegt werden kann, stehen wir immer wieder gerne für einen Austausch zur Verfügung.

Konferenzflyer:

Private Equity Boom im Fußball: Was heißt das für Fans und Mitglieder?

Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 tritt verstärkt eine neue Art von Investoren im europäischen Fußball auf – Private Equity Firmen. Selbst wenige Wochen ohne (Spieltags-) Einnahmen haben damals zahlreiche Fußballklubs in arge Bedrängnis gebracht. Eine perfekte Möglichkeit für Private Equity Firmen hier verstärkt aktiv zu werden. „Nicht realisiertes Renditepotential“ ist der Slogan, welcher in einschlägigen Publikationen immer wieder vorkommt und diese Firmen anzieht.

Doch warum werden Private Equity Firmen als eine „neue Art“ von Investoren im Fußball bezeichnet? Blicken wir zuerst auf die „bisherigen“ Investoren wie reiche Einzelpersonen oder auch Staatsfonds. Diese wollen mit dem Kauf eines Fußballklubs v.a. Prestige & Ruhm erlangen. Im Falle der Staatsfonds ist ebenfalls„Sportswashing“ ein großes Thema. Der Einsatz von mehreren Milliarden Euro ist dementsprechend eingepreist, es muss sich nicht „rentieren“. Beispiel: PSG hat seit Übernahme durch den katarischen Staatsfonds im Jahr 2011 ein Transferminus von ca. 1,4 Mrd. € angehäuft, bis man dieses Jahr endlich die Champions League gewinnen konnte.

Ganz anders verhält es sich bei Private Equity Firmen – der klare Fokus liegt auf dem (kurzfristigen) Profit und einer Übertragung der Finanzmarktlogik auf andere Bereiche.

In Deutschland schützt die 50+1-Regel (noch?) vor der Übernahme eines Klubs durch Finanzinvestoren. Die Diskussionen darüber sind jedoch allgegenwärtig und es finden sich immer wieder prominente Vertreter aus dem Fußballbusiness, welche eine Abschaffung fordern. Auf eine solche Abschaffung setzen auch Vertreter der Finanzbranche. Dies wird in einer Publikation des Datenanalysten Pitchbook direkt angesprochen: Der Fall von 50+1 würde eine „Riesenchance“ für Finanzinvestoren bieten. Doch bisher ist 50+1, mit all seinen bekannten Ausnahmen (Stichwort „Werksvereine“), in Kraft. Mit Blick auf das oben skizzierte Aufkommen der Private Equity Firmen im Fußball erscheint eine Beibehaltung (und konsequente Anwendung) noch einmal an Bedeutung zu gewinnen. Man kann sich vorstellen – und anhand anderer europäischer Länder nachvollziehen – wo das oben angesprochene „nicht realisierte Renditepotential“ liegt: Vereinfacht ausgedrückt – unter anderem in den Geldbörsen der Stadionbesucher und -besucherinnen oder allgemeiner der Fans. Daneben gibt es jedoch weitere Möglichkeiten. Eine davon ist eng mit dem Auftauchen des Phänomens „MultiClubOwnership“ (MCO) verknüpft. Es geht um die Nutzung von „Synergieeffekten“, beispielsweise das Hin- und Herschieben von Spielern im „Firmenkonstrukt“ unter Einbezug kreativer Buchhaltung bzgl. der Transfererlöse. Mehr als 200 Klubs weltweit sind bereits Teil eines solchen Konstruktes. 

Im Jahr 2023 wurden bereits mehr als ein Drittel der Vereine in den „Big Five“-Ligen von Private Equity und anderen Finanzunternehmen mitfinanziert. Wenn auch Deutschland allgemein -wegen 50+1- und der 1. FC Nürnberg im Speziellen – da ein eingetragener Verein – davon noch nicht in der Form betroffen sind: Die Entwicklung sollte auch hier aufmerksam verfolgt werden, besteht doch darin eine existenzielle Gefahr für die bisherige Fußballkultur 

Was sind Private Equity Firmen?

Beteiligungsgesellschaften, die direkt Anteile (möglichst alle) an Unternehmen erwerben. Dazu sammeln Sie Geld von vermögenden Einzelpersonen oder Pensionsfonds ein – im Jahr 2022 mehr als 11,7 Billionen Dollar. Sie versprechen ihren Geldgebern große Gewinne, in der Regel um die 20 Prozent Rendite – und das möglichst schnell. „Kauf-Umstrukturierung-Verkauf“ ist ein gängiges Vorgehen. Beliebte Branchen: Wohnen, Gesundheitsversorgung.