MCMV im Fanprojekt: Ein Nachbericht zur Veranstaltung am 30.10.2025

„Big Business und Fußballromantik: Wohin geht die Reise und wer setzt den Kurs?“ – unter dieser Überschrift durften wir einen Abend im Fanprojekt gestalten. Bestens organisiert vom Team des Fanprojektes, starteten wir um kurz nach 19 Uhr mit einem Rückblick auf die Anfangszeiten von „MeinClubMeinVerein“. Die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 2016 genommen – die Älteren erinnern sich, wir spielten damals die Relegation zur Bundesliga. Im Fokus standen jedoch die Bestrebungen des damaligen Vorstandes und Aufsichtsrates, den Profifußball in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Dies war der Gründungsimpuls für MCMV und so wurde das weitere Vorgehen kritisch begleitet und eigene Vorschläge für eine Weiterentwicklung des e.V. eingebracht (z.B. Kooptierung von Aufsichtsräten). Das Ende ist bekannt: Die erhofften Effekte einer Ausgliederung wurden nach genauerer Analyse überschätzt, potentielle Investoren standen ebenfalls nicht Schlange und so ist der Profifußball des 1. FC Nürnberg auch im Jahr 2025 noch im e.V. integriert.

Anschließend wurde ein Blick auf aktuelle Entwicklungen im Fußball geworfen. Im Fokus stand die Analyse des Private Equity Booms und v.a. warum es sich dabei um eine „neue Generation“ von Investoren im Fußball handelt. Während bei vorherigen Investoren, bspw. reichen Einzelpersonen, Oligarchen oder Staatsfonds, eher die Prestigemaximierung ein Ziel war (z.B. Stichwort Sportswashing), ist dies bei Private Equity Firmen anders gelagert. Hier liegt der klare Fokus auf der Profitmaximierung, mit all seinen Konsequenzen für Fans und Mitglieder. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Ausgliederung auch Anteile in der Hand von Private Equity Firmen landen, ist deutlich höher als noch vor 10 Jahren! Der Private Equity Boom bringt auch eine weitere Entwicklung hervor – das MultiClubOwnership. Stichwort Synergieeffekte, da macht es Sinn sich gleich eine ganze Palette an Vereinen – unterschiedlicher Leistungsstärke in verschiedenen Ländern – zu kaufen um die Spieler bestmöglich zu „entwickeln“. Traditionsvereine werden so zu puren Zulieferbetrieben in solchen Konstrukten, als aktuelles Beispiel sei Racing Straßburg genannt. Diese haben seit 2023 die gleichen Besitzer wie der Chelsea FC (BlueCo, ein Private Equity Konsortium) und pflegen einen intensiven Austausch – was sich an 15 Spielerwechseln seitdem zwischen beiden Klubs festmachen lässt.. Hier kann die Brücke zum FCN geschlagen werden: Von Racing Straßburg wurde kurz vor Transferschluss Pape Demba Diop zum Club ausgeliehen. Eine Festverpflichtung schien ausgeschlossen, schließlich ist er erst im Sommer für eine kolportierte Ablösesumme von rund 8 Mio. € aus der 2. Belgischen Liga zu BlueCo bzw. Racing Straßburg gewechselt.. Man sieht also, dass diese Entwicklungen auch direkt den FCN tangieren.

Das Highlight des Abends kam jedoch zum Ende: Sandra Hummel (Mitglied des FCN Aufsichtsrates) und Niels Rossow (FCN Vorstand Strategie & Marketing) stellten sich denFragen des Publikums. Es ging über Private Equity, 50+1, der Wahrnehmung des FCN in der Öffentlichkeit, Ansatzpunkten zur weiteren Profilschärfung bis zur anstehenden Jahreshauptversammlung. Hier ist noch einmal auf den Antrag zum Ergebnisabführungsvertrag (oder Gewinnabführungsvertrag) hinzuweisen. Beide Gäste konnten überzeugend darlegen, warum dieser Antrag eine Weiterentwicklung des e.V. darstellt und die Mitbestimmung der Mitglieder weiterhin gegeben ist. Am Ende wurden alle Fragen beantwortet und es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Immer fair und von Respekt auf allen Seiten getragen, besser kann man es sich nicht wünschen. Die Zeit verging wie im Flug und nach knapp 2 Stunden wurde der offizielle Teil der Veranstaltung beendet. Zum Ausklang wurde sich noch in lockerer Runde bei einem Kaltgetränk an der Bar ausgetauscht. Besten Dank an das Fanprojekt sowie Sandra Hummel und Niels Rossow für diesen gelungen Abend!